(.aufzeichnensysteme)

10.08.2017 ABSICHTSLOSE ZUSAMMENKUNFT
(Road Radio 1) / Eine Ode an die Absichtslosigkeit

Eine neue Richtung kann jederzeit eingeschlagen werden.
Gutes Schuhwerk ist nicht zu verachten.


Peripatetisches, intermediales aufzeichnen des + im öffentlichen Raum/es

15 - 18 h (aufzeichnen/ intern / auf der Straße) als live-sendung zu verfolgen auf Bauhaus FM live stream
20 h Mix / Jam (aufzeichnen / vor Publikum) im machfeld.studio vienna


vorr. am 19.11.17 Ausschnitte aus dem Mitschnitt von "absichtslose Zusammenkunft (Road Radio 1)"
in der Kunstradiosendung (radiologische lesung)

 

there is no such word in english but in the contrary sense: aim purpose intent deliberateness

only in the sense of not doing something on purpuse like "aus versehen" by accident
but that is not absichtslos rather then:

not being focused on looking for something but to be open / curious for what comes towards
a passivity which is wide awake

understanding that this state of mind is far not easy to reach since it requires a complete change of (cultural) consciousness we start today a little exercise of it

 

Absichtslose Zusammenkunft / Road Radio 1
peripatetisches, intermediales aufzeichnen des + im öffentlichen Raum/es

http://bauhaus.fm:8000/bauhaus.fm.m3u

Ein Konzept von .aufzeichnensysteme / Wien in Zusammenarbeit mit Konrad Behr und Janine Müller / Bauhaus FM / Weimar, Studio Machfeld / Wien, wechselstrom / Wien, Armin Andraschko, Sabine Maier, Michael Mastrototaro, Jörg Piringer, Renate Pittroff, Christoph Theiler, Günter Vallaster.

Mit freundlicher Unterstützung durch die Grazer Autorinnen- Autorenversammlung

Die 10 Teilnehmerinnen aus den Bereichen Literatur, Radio- und Sprachkunst, Medien- und Klangkunst sind mit offenen Kanälen unterwegs als Aufzeichnensysteme. Sehend, hörend, sprechend etc. können sie als rein körperliche Aufzeichnensysteme in purer Präsenz erscheinen und – reproduktionsfrei – aufzeichnen oder unterwegs eigene Text-/Bild-/Ton-Kunstwerke, Technik, Instrumente in dynamischen Dialog zueinander und zum audio-visuellen, sprachpoetischen Einsatz in Bezug auf die bewegte Umgebung bringen und vorgefundenes „Material“ einbeziehen.

Das kontra-programmatische Konzept hält die künstlerische Erfahrung offen, ohne sie dem Formatzwang einer Veranstaltung zu unterwerfen. Anstelle eines genauen Ablaufes / Programmes, steht eine Philosophie, eine Initiative, ein Prozess mit einem Ereignis-, Orts- und Zeitrahmen, Protagonisten, der sich im Wechsel von zufälligen Passanten und den Umherziehenden aufbaut. Publikum formiert sich im / aus dem öffentlichen Raum, wie es sich trifft. Auch im Innenraum haben wir keinen performativen Auftrag. Was sich ergibt ergibt sich: eine intermediale Interaktion - wer weiss...

Die technische Umsetzung erfolgt unterwegs durch Konrad Behr, der die Sender zuschaltet und verlinkt: Die Tentakel freier Radiosender Radio Helsinki (Graz), Radio Orange (Wien), Coloradio (Dresden), Radio Corax (Halle), Radio Blau (Chemnitz), Radio Mephisto (Leipzig) und Resonance FM (London) sind eingeladen, ihr Ohr an die Bewegung zu legen.

Absichtslose Zusammenkunft ist die Idee einer Mischform aus beweglicher Lesung, Gespräch, Partizipation mit der Umgebung, RadioHörstück - eine Bewegung in aller Öffentlichkeit und über Schleich- und Umwege durch das sogenannte Urbane des 2ten Wiener Bezirks, deren dynamische Thematik sich i.S. der Peripatetikerinnen1 ergibt als gedankliches Umhergehen, um etwas in Gang zu setzen: Multiples, das u.a. den, gerade aus Kopfsicht oft übersehenen, Fuss als Tritt- und Tastwerkzeug in den Fokus rückt.

Es geht um das Innen / Aussen der Einzelnen in Beziehung zueinander und zum Raum als aufzeichnensysteme. Absichtslosigkeit betont eine Haltung, die sich unvoreingenommen aber wach in die Situation begibt, eine Verfassung, die es zu üben gilt im Übungsgelände 2ter Bezirk. Erlaubt ist alles, was sich ergibt und wird von der Initiative und Zuwendung jeder/s einzelnen und vom umgebenden urbanen Raum getragen, der unvorhersehbar mitspielt: Eine Form von Konspiration der aufzeichnensysteme (poetische Systeme) als Rezeptoren und Verstärker, in der Annahme, daß Raum „nicht nur als geometrische Maßeinheit (…)", "sondern erlebbare Ausgedehntheiten…“ ist, sozusagen: „Raum als agiles Element im dialektischen Kontext“ (zur „Poetik des Raumes“ von Gaston Bachelard).

Jede/r ist dazu angehalten den Ton anzugeben und ihn auch wieder abzugeben. Eventuell ergibt sich eine Melodie, ein Rhythmus dieser Blase, die wir in diesem Raum-Zeit-Fenster bilden in dem Vertrauen darauf, daß wir nicht aus der Zeit fallen. Eine neue Richtung kann jederzeit eingeschlagen werden. Gutes Schuhwerk ist nicht zu verachten.

(.aufzeichnensysteme, 2017)

1Peripatos ist der Name der philosophischen Schule des Aristoteles. Wie die anderen philosophischen Schulen Athens (Akademie, Stoa, Kepos) erhielt sie ihren Namen von dem Ort, an dem der Unterricht stattfand, in diesem Fall vom Peripatos (περίπατος) für „Wandelhalle“. Entsprechend hießen die Angehörigen der Schule Peripatetiker. Heute werden die Begriffe „Peripatetiker“ bzw. das Adjektiv „peripatetisch“ praktisch ausschließlich im Sinne von „Vertreter / Anhänger der Lehre des Aristoteles“ bzw. „auf die Lehre des Aristoteles bezogen“ verwendet. Die populäre Etymologie, die diesen Namen direkt von peripatein (περιπατεῖν „umherwandeln“) ableitet, ist unzutreffend[1].

---------------------------------------------TEILNEHMERINNEN 2017

Armin Andraschko, geboren 1961 in Linz, lebt in Zwettl an der Rodl, Mitglied
der MAERZ Künstler- und Künstlerinnenvereinigung, beschäftigt sich mit der
Verbindung von Zeichnung und Text.
www.arminandraschko.at

Konrad Behr, geboren 1974 in Dresden, seit 1999 Mediengestalter und Medienkünstler, seit 2014 experimentelles Radio, Fotografie, interaktive Klangprogrammierung, Studio für elektroakustische Musik SEAM) an der Bauhaus-Universität Weimar und ist Teil des experimentellen Radiosenders Bauhaus.FM. www.konrad-behr.de

MACHFELD: Sabine Maier + Michael Mastrototaro betreiben gemeinsam das Medienkunst-Labor und erhielten 2008 mit MACHFELD den Förderungspreis für Video- und Medienkunst des BKA. www.machfeld.net

Sabine Maier, geboren 1971, ist Foto- & Medienkünstlerin, die mit den Medien und an den vielen Dimensionen des Medialen arbeitet. Gemeinsam mit Michael Mastrototaro gründete sie 1999 das Kunstlabel Machfeld. Staatstipendium für Medienkunst – BMUKK + Auslandsstipendium des Landes Steiermark. Vertreten von der Galerie Raum mit Licht in Wien, Galerie Andrea Jünger in Wien, Galerie 3 in Klagenfurt, sowie von Canon Cinema in San Francisco.

Michael Mastrototro, geboren 1970 in Graz, lebt und arbeitet in Wien. Internationale Ausstellungstätigkeit seit 1999. Arbeitet Spartenübergreifend in den Bereichen Literatur, experimentelle Fotografie, Experimentalfilm und Performance.

Janine Müller, geboren 1987 in Rostock, lebt und arbeite in Weimar, Medienkunst und Mediengestaltung Bauhaus Universität Weimar, Beschallung, radiophone und performative Arbeiten.

jörg piringer, geboren 1974. lebt in wien. ist mitglied des instituts für transakustische forschung und des gemüseorchesters. arbeitet in den lücken zwischen sprachkunst, musik, performance und poetischer software. http://joerg.piringer.net

Renate Pittroff l Christoph Theiler, wechselstrom wurde 2004 von Christoph Theiler und Renate Pittroff gegründet und ist im 16. Bezirk Wiens beheimatet (off space "galerie wechselstrom" = Arbeitsraum und temporärer Ausstellungs- und Performancerau). Neben Arbeiten für Theater und Hörspiel sind wechselstrom in interdisziplinären Bereichen Klanginstallation, Media Art und Social Sculpture aktiv. www.wechsel-strom.net

Günter Vallaster, geb. 1968 in Schruns, lebt in Wien. Autor und seit 2004 Herausgeber der edition ch. Zuletzt: „Jukebox. Mit Zeichnungen von Fritz Widhalm und Ilse Kilic“ (Das fröhliche Wohnzimmer – wohnzimmers buntes lyrikheft 11, 2016) und als Herausgeber die Anthologie „räume für notizen | rooms for notes. visuelle, digitale und transmediale poesie“ (edition ch 2016). www.guenter-vallaster.net und www.editionch.at

.aufzeichnensysteme (Wien), seit 2002 transmediales Konzept für das materielle, leibliche, technische, akustische, visuelle Aufzeichnen an der Schnittstelle von Literatur, Performance, bildender und akustischer / radiophoner Kunst. Stipendien, Airs, Ankäufe, internationale Kooperationen seit 2003. Aktuell: im grünen (Herbst 2017, Ritter) www.elffriede.net

 

. a u f z e i c h n e n s y s t e m e
transmedial artist / concept
2002 by www.elffriede.net
contact: gezeichnet(at)elffriede.net